Entfernung von Baumbeständen entlang der A3 bei Bettemburg

Wir veröffentlichen an dieser Stelle die Stellungnahme vom Expertenbüro für Umweltfragen „Biomonitor“ betreffend die Entfernung von kranken Baumbeständen entlang der Autobahn A3 bei Bettemburg da in den letzten Tagen von einigen Anwohnern Bedenken geäußert wurden wegen Eingriffen in die Natur.

Stellungnahme

An mehreren Stellen entlang des Autobahnnetzes wurden in diesem Winter Baumbestände in unmittelbarer Nähe der Fahrbahn entfernt. Die Maßnahme dient der Verkehrssicherheit und wurde von den zuständigen Stellen der Administration des Ponts et Chaussées durchgeführt. Sowohl die Auswahl der als risikoreich eingestuften Gehölzvegetation als auch die praktische Vorgehensweise bei den Arbeiten wurden auf der Basis der Naturschutzbestimmungen vom Umweltministerium genehmigt und von den entsprechenden Außenstellen begleitet.

Der Fichten- und Kiefernbestand an der A3 nahe Bettemburg wurde zwischen 2013 und 2015 von insgesamt vier Fachpersonen begutachtet. Übereinstimmend wurde der Gesundheitszustand der Bäume so eingeschätzt, dass ein Windwurf in Richtung Fahrbahn nicht ausgeschlossen werden konnte. Es bestand demnach ein Risiko für die Verkehrssicherheit und es wurde aus verständlichen Gründen entschieden dieses Risiko nicht einzugehen.

Welches Ausmaß sollte nun die Vorsorgemaßnahme zur Verkehrssicherheit haben? Während die Bäume der ersten Reihe an der Fahrbahn noch eine gewisse Vitalität aufwiesen, kam es im Innern der Pflanzung bereits zu Zerfallserscheinungen. Trotz eines sehr dichten Bestandes konnte sich ein Unterbewuchs bereits aufbauen, was in einem gesunden Fichtenbestand kaum der Fall ist. Eine als geeignet betrachte Lösung bestand darin, den Bestand auf der gesamten, zum Teil steilen Böschung zu entfernen. Diese Entscheidung bot drei Vorteile: das Gefahrenpotential war gebannt, der Sicht- und Lärmschutz am oberen Teil der Böschung blieb erhalten und eine standortgerechte Vegetation kann sich nun frei entwickeln.

Dass die Vorgehensweise kurzfristig als destruktiv angesehen werden kann, ist verständlich und nachvollziehbar, doch handelt es sich ebenfalls vom ökologischen Standpunkt her um die bestmögliche Lösung: Eine Monokultur aus Fichten und Kiefern wird in einen natürlich wachsenden Lebensraum umgewandelt. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Nadelgehölze zwar auch in der freien Landschaft vorkommen, sie aber nicht zur natürlichen Flora gehören und somit nur eine geringe ökologische Wertigkeit aufweisen. Anders die Krautschicht und die Gebüsche, die in den nächsten Jahren auf der Fläche nachwachsen werden. Diese werden eine hohe biologische Vielfalt bilden (Biodiversität), sich im Laufe der Zeit verändern bis sich die ersten einheimischen Bäume einstellen.

Die Arbeiten im Januar und Februar wurden so durchgeführt, dass ausschließlich die Fichten und Kiefern entfernt wurden. Es wurde mit Sorgfalt darauf geachtet, dass die spontanen Gehölze nicht nur erhalten, sondern unverletzt blieben. Das Ergebnis kann an Ort und Stelle bewertet werden. Naturschützerische Aspekte in den Unterhalt der Autobahnböschungen zu bringen ist ein wichtiges Anliegen der zuständigen Behörden. Gezielte Untersuchungen haben gezeigt, daß das Begleitgrün des Straßennetzes in einer intensiv genutzten Landschaft oftmals wahre ökologische Refugien für seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten darstellt.

Luxemburg, den 26. Februar 2016

Jacques MERSCH
Diplômé en sciences écologiques
Docteur en toxicologie de l’environnement